Taiwans Berge

Wir verlassen unsere Komfortzone und fahren ins taiwanische Hochgebirge. Taiwan ist zwar flächenmäßig relativ klein, ist aber das Land mit den meisten Bergen über 3000 Metern Höhe auf der ganzen Welt.

Auch steigen wir nun, aus logistischen Gründen, von den von uns sehr geschätzten öffentlichen Verkehrsmitteln, auf einen Mietwagen um. Denn da wo wir hin fahren, gibt es nur noch selten bzw. keine Busverbindungen mehr, Es ist zwar Rechtsverkehr, aber einige Regeln sind doch ganz anders als gewohnt. Wir finden uns aber schnell in den taiwanischen Fahrstil hinein, wie zum Beispiel rechts zu überholen.

Alishan

Zum Akklimatisieren starten wir in der Region des Alishan-Gebirges, welches sich durchschnittlich auf bereits über 2000 Höhenmeter befindet. Sehr besonders macht die Gegend die historische Bergbahn Alishan-Railway und der Anbau von Tee.

Wir erklimmen den hier höchsten Berg Tashan mit 2663 Meter über dem Meeresspiegel, spazieren in der Alishan National Forest Recreation Area durch Wälder mit steinalten Bäumen nach der Oolong Tee Pause beim Nonnenkloster, inspizieren stillgelegte Schienenabschnitte der Mianyue Line, die nun als Wanderweg dienen und staunen über die Kombination aus Tee und Wolken.

Yushan Nationalpark

Wie der Name schon verrät, wird dieser alpin gelegene Nationalpark dominiert von dem höchsten Berg Taiwans, dem Yushan (zu deutsch Jadeberg) mit seinen stolzen 3952 Höhenmetern. Da die Insel Taiwan jedes Jahr aufgrund des Aufeinanderprallens der eurasischen und philippinischen Kontinentalplatte ein paar Zentimeter in die Höhe wächst, schafft er vielleicht bald auch noch die 4000er Marke.

Ein recht bürokratisches Online-Bewerbungsverfahren für eine erforderliche Park-Genehmigung mit beschränktem Kontingent freier Plätze haben wir bereits zwei Monate zuvor in Angriff genommen. Glücklicherweise erhalten wir nun die Bestätigung für die Besteigung an unseren Wunschtermin, inklusive eine Nacht in der Paiyun Lodge (3402 m), einer komfortfreien Berghütte auf Zweidrittel des Weges.

Der erste Teil ist eine schöne, aussichtsreiche, einfach zu gehende und nur mäßig ansteigende Wanderung, die wir schneller hinter uns bringen als gedacht. In der Berghütte angekommen, verschwindet die Sonne in den Wolken und wir finden uns in winterlichen Temperaturen wieder.. Eine Heizung gibt es nicht und das heiße Wasser ist hier rares Gut. Um der Kälte zu trotzen, wollen wir in Bewegung bleiben und beschließen spontan den Gipfel zu besteigen, obwohl die Tour erst für den nächsten Tag geplant ist.

Der nun steilere Weg führt uns zunächst noch durch den Wald, dann über die Baumgrenze hinaus und schließlich über eine fast senkrechte, recht anspruchsvolle und dem Wind ausgesetzte Felsenkletterpartie, die wir dank angebrachter Ketten für den Halt meistern können. Gut, dass wir Handschuhe dabei haben, denn bei den Minusgraden sind die vom Nebel feuchten Ketten mit einer Eisschicht bedeckt. Da die meisten Wanderer früh am Tag hierher kommen, um die Sonne aufgehen zu sehen, haben wir nun am Nachmittag den Gipfel fast ganz für uns allein. Leider sehen wir nicht all zu viel von der Umgebung, denn dichter Nebel ist aufgezogen. Ein obligatorisches Gipfelfoto darf nicht fehlen, dann machen wir uns wieder auf den Weg nach unten. Dabei kommt doch noch mal die Sonne heraus und wir können den Sonnenuntergang in schönster Bergkulisse beim Abstieg genießen.

Das eigentliche Abenteuer für uns ist allerdings die Übernachtung in der Berghütte. Es gibt zwar für zwei Stunden elektrisches Licht am Abend, aber für sonstigen Strom, Trinkwasser, Toilettenpapier, Seife und Handtuch solltest du selbst sorgen. Auch deinen Müll nimmst du selbstverständlich wieder mit vom Berg hinunter. Wir bringen auch unser Essen und eigene Schlafsäcke mit, die man hier vorab aber auch bestellen bzw. mieten könnte. In den 12 Personen Matratzenlager-Zimmern beneiden wir die Schnarcher um ihren seligen Schlaf. Gegen halb 2 Uhr morgens beginnen dann die Ersten ihre Ausrüstung zusammen zu suchen. Bis um 3 Uhr ist die ganze Gruppe schließlich wach, um mit lautem Hallo zum frühen Frühstück zu gehen und noch in der Dunkelheit den Gipfel rechtzeitig zum Sonnenaufgang zu erstürmen. Endlich kommen wir auf den harten Liegen kurz zur Ruhe bis dann zwei Stunden später die Sonne aufgeht.

Auf dem Weg nach unten zum Ausgangspunkt der Wanderung kommen uns zwei beeindruckend kräftige Träger entgegen, die das bestellbare Essen und was sonst noch so nötig ist, zu Fuß zur Lodge hochtragen.

Im Yushan Nationalpark begehen wir noch drei weitere Tagestouren, die alle ihren ganz eigenen Charakter haben, aber alle einen mit einem „Wow, ist das schön hier!“ zurücklassen.

Zentralgebirge

Eine weitere Mehrtageswanderung bringt uns ins Zentralgebirge. Auch hier warten zwei Übernachtungen auf harten Liegen in einer bewirtschafteten Berghütte, der Tianchi Lodge (2860 m) auf uns, für die wir uns einen Monat vorher beworben haben. Eine Steigerung für uns, denn es gibt hier auch Trinkwasser und wir werden in einen nur für vier Personen Matratzen-Raum einquartiert. Das Paar, das mit uns den Raum teilt, ist Teil einer lustigen Wandertruppe, die uns abends noch mit mitgebrachter süßer Salami, geräucherten Fischrogen und Weinbrand füttert.

Wegen Reparaturarbeiten an einem Geröllhang auf dem längeren Fußweg zur Lodge müssen wir zunächst einen steilen Umweg in Kauf nehmen. Hier begegnen wir plötzlich drei Formosa Sambar Hirschen, von denen ein junges Exemplar sehr laute Rufe von sich gibt und wütend mit dem Vorderfuß aufstampft, da es wegen uns sich nicht traut seiner Mutter zu folgen.

Schließlich oben angekommen werden wir belohnt mit Aussicht auf den spektakulären Nenggao-Wasserfall mit 200 Metern Fallhöhe und den schönen Wanderwegen zu den Dreitausendern Qilaishan Südgipfel (3357 m) und über den grünen Bergrücken hin zum Nanhuashan (3184 m).

Shei-Pa Nationalpark

In dem weniger prominenten, da schlechter zugänglichen, hochgebirgigen Nationalpark Shei-Pa steigern wir unseren Übernachtungskomfort weiter zu einer kleinen Blockhütte mit weicheren Matratzen auf einem Campingplatz.

Hier begehen wir unsere mit Abstand anstrengendste Tagestour mit den meisten Höhenmetern und Gehstunden unserer gesamten Reise. Nach knapp 2000 Höhenmetern hoch und auch wieder hinunter kommen wir nach 14,5 Stunden wieder spät abends bei unserer Hütte unten an. Im nach hinein hätten wir vielleicht besser zwei Etappen daraus gemacht. Aber trotzdem schön zu erfahren, was unsere Körper so alles vermögen.

Die Tour geht sanft durch den Wald los. Hier scheinen die Swinhoefasane in den frühen Morgenstunden schon auf uns zu warten. Dann geht es aber steil hinauf, zwei der Berge des Wuling-Quartetts zu besteigen. Wir steigen zunächst zum Taoshan (3325 m) hinauf, begegnen hier einem neugierigen Goldwiesel, nehmen dann den kletterreichen Querweg zum Chiyoushan (3303 m) hinüber, um von dort wieder zum Ausgangspunkt steil hinab zu steigen. Oben haben wir phantastische Ausblicke auf den Xueshan (Taiwans zweithöchster Berg, auch Mount Sylvia oder Schneeberg genannt), dessen kesselartige Form charakteristisch ist und auch auf den markanten knopfförmigen Gipfel des Pintianshans. Unten begegnen wir in der Dämmerung den scheuen Muntiaks (kleine gedrungene Hirschart), die sich zu dieser Zeit heraustrauen.

Taroko Nationalpark

Der Taroko-Nationalpark ist vor allem bekannt durch seine enge Schlucht durch die Marmorfelsen an der Ostküste Taiwans, die Tqroko-Schlucht. Wir haben diesmal aber ein Augenmerk auf das Taroko-Hochgebirge. Über den Wuling Pass, Taiwans höchstgelegene asphaltierte Straße gelangen wir direkt mit dem Auto zu den hohen Bergen. Dass hier die Luft dünner und der Druck abnimmt, merken wir auch an den beiden aufgeblähten Chipstüten, die wir aus Mangel an Lebensmittelgeschäften und Restauration in dieser bevölkerungsarmen Region, im Wagen gehortet haben. Ein lauter Knall, dann noch einer! Als wir über 3000 Höhenmeter kommen, sind sie schließlich explodiert.

Vom hochgelegenen Parkplatz können wir leicht zugänglich viele schöne Wanderungen mit atemberaubenden Gebirgspanoramen unternehmen, wie den Xiaoqilai Trail, zum Shimenshan (3237 m), zum Hehuanshan East Peak (3421 m) und zum Hehuanjianshan (3220 m).

Erdbeben

Dass Taiwan aufgrund seines Klimas und seiner geologischen Lage, ein von Naturkatastrophen gebeuteltes Land ist mit vielen Erdstößen, Erdrutschen und Taifunen wussten wir bereits. Aber mit einem so starken Erdbeben und seinen zerstörerischen und leidvollen Auswirkungen wie das am 3. April 2024 haben wir natürlich nicht wirklich gerechnet.

Wir waren glücklicherweise an einem sicheren Ort 50 km vom Epizentrum entfernt und haben zunächst lediglich den Boden heftig beben gespürt, Sekunden später haben wir aber auch das Klackern der Gerölllawinen in den Bergen los gehen gehört und schließlich das Ausmaß der Felsbrocken und Steine, die auf die Bergstraßen gefallen sind, gesehen. Wir haben aber auch mitbekommen, wie schnell und effizient hier die Aufräumarbeiten wieder von Statten gehen.

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