Nicht allzu weit vom Zentrum des Nationalparks Göreme befinden sich die unterirdischen Städte Derinkuyu und Kaymaklı, die man als Besucher über viele Etagen erkunden kann.
Ab dem Göreme Busbahnhof nehmen wir einen öffentlichen Bus für 60 Lira (ca. 1,10 €), der uns 12 Kilometer weit nach Nevşehir bringt. Der Schaffner schreit von hinten die Stationen durch und zeigt uns noch die Bushaltestelle für den Anschluss-Bus. In Nevşehir steigen wir also um und fahren weitere 30 Kilometer für 120 Lira zu unserem Ziel Derinkuyu, wo sich die tiefste begehbare unterirdische Stadt Kappadokiens befindet.
Derinkuyu
Christliche Bewohner verliehen der mehrstöckigen Untergrundstadt zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert ihre heutige aus dem Tuffstein ausgehöhlte Form. Bis zu einer Tiefe von 55 Metern ist sie für Besucher freigelegt. Mithilfe von großen steinernen Rädern konnten die Bewohner einst die Eingänge zum Schutz von innen verschließen. Wir entdecken Wohn- und Lagerräume, einen Luftschacht inklusive des namensgebenden Brunnens (Derinkuyu), Kommunikationslöcher, Mühlräder, eine Gemeinschaftsküche, eine Schule und einen Weinkeller. Schließlich steigen wir recht tief eine enge Treppe hinab zu einer kreuzförmigen Kirche im Untergeschoss.



Leider ist aber nur ein kleiner Teil begehbar. So sind wir schneller durch die Gänge spaziert als gedacht. Da unser Erkundungsdrang noch nicht gestillt ist, machen wir uns die 9 Kilometer mit dem Bus zur nächsten unterirdischen Stadt nach Kaymaklı auf, die quasi auf unserem Rückweg liegt.
Kaymaklı
Gut, dass wir zu der begehbaren unterirdischen Stadt in Kaymaklı noch einen Halt machen, denn diese zweite Underground City ist wesentlich komplexer und größer. Vom Hauptrundweg gehen, wie in einem multidimensionalen Labyrinth, viele Gänge und Verzweigungen ab, in denen wir uns gerne verlieren. Hier fühlt es sich tatsächlich an, als wären wir in einem kleinen Dorf unterwegs. Man schätzt, dass hier mehrere tausend Bewohner Platz fanden. Auch hier finden wir eine ausgeklügelte Infrastruktur für das Leben unter Tage wieder, sogar Grabstätten, eine Weinpresse und Ställe für die Nutztiere sind eingelassen. Für uns ein sehr abenteuerlicher eindrucksvoller Aufenthalt.







Nevşehir
Zurück zum Verkehrsknotenpunkt Nevşehir nehmen wir dann ein Dolmuş. Diese Minibusse fahren für kleines Geld bestimmte Strecken ab und man kann sie vom Straßenrand einfach heranwinken. Genauso kann man auch überall den Fahrer bushaltestellenunabhängig zum Halten bitten.
In Nevşehir ist vom touristischen Trubel keine Spur. Die Ortschaft ist trotz interessanter Sehenswürdigkeiten, wie z.B. die riesige 5000 Jahre alte Felsenstadt Kayaşehir unaufgeregt authentisch. Ein ausgedehnter Spaziergang im anatolischen Ambiente führt uns zu einem Sack voll Sonnenblumenkerne und zu einem kleinen Restaurant bei zwei sehr herzlichen Frauen.
Wir genießen frisch zubereitete Gözleme – hauchdünn-ausgerollte, herzhaft gefüllte Teigfladen, die auf einer heißen gewölbten Eisenplatte gebacken werden und hausgemachte Manti – winzige türkische Teigtaschen mit Hackfleischfüllung, serviert mit Knoblauchjoghurt und würziger Buttersoße. Zum Dessert gibt es süße Leckereien, die nicht auf der Karte stehen und Çay und türkischen Kaffee für uns aufs Haus.




Gesättigt und glücklich geht es für uns mit dem Bus wieder zurück zu unserer Ausgangstation Göreme.
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